Isny: Bürger sammeln Blicke auf ihre Stadt

Mitmachen bis 2019: Mit der Ausstellung „Isny von oben“ starten die „Panorama-Partner“

Aus dem Fonds „Stadtgefährten“ der Bundeskulturstiftung fließen in den kommenden zwei Jahren rund 150 000 Euro nach Isny – ein außerplanmäßiges, projektgebundenes „Geschenk“ für die städtischen Museen, das bundesweit nur vier Kommunen erhalten. „Und Isny ist die einzige Stadt in Süddeutschland“, betonte Bürgermeister Rainer Magenreuter unlängst bei der Vernissage zur Ausstellung „Isny von oben“. Die ist bis April 2018 während der allgemeinen Öffnungszeiten zu sehen in der Gotischen Halle im Rathaus, für Besucher über den Haupteingang zu erreichen im Erdgeschoss des Treppenhauses, rechts hinten durch die Tür. Der Eintritt ist frei.

„Isny von oben“ ist der erste öffentliche Auftritt des Projekts „Panorama-Partner“, das die Bundeskulturstiftung fördert und das „erklärungsbedürftig“ sei, wie Ursula Winkler einräumte. Eine Isnyerin habe es dennoch in einen Satz packen können: „Wertschätzung einst und heute“, fasste die Initiatorin und Projektleiterin vor den zahlreichen Eröffnungsgästen zusammen.

Die sind schon „Panorama-Partner“. Im Gegensatz zu noch möglichst vielen anderen Isnyern: Senioren und Kinder, Schulen und Vereine können und sollen ihren Blick auf ihre Heimatstadt schildern und darstellen, mit einbringen, Erinnerungen, Fotos, Dokumente beisteuern von einst und heute, für neuartige und historische Blicke von oben auf die Stadt und die Ortschaften, analog und virtuell.

Die ersten „Panorama-Partner sind gefunden: Mitglieder von Luftsportgruppe Isny, Schwäbischem Albverein, Freiwilliger Feuerwehr, Kinder der Grundschule, die Fotografen Rolf Brenner und Heinz Bucher, dessen Mit-Stadtforscher Roland Manz, natürlich Ute Seibold, Leiterin der Isnyer Museen, und Nicola Siegloch, die mit ihren Recherchen im Stadtarchiv „maßgeblich“ (Bürgermeister Magenreuter) beteiligt ist, aber auch die Hochschule Kempten. Sie alle haben zu „Isny von oben“ beigetragen, fasste Projektleiterin Winkler zusammen.

Zwei hob sie besonders hervor: Einerseits Georg Müller aus Unterzeil, der sich seit Jahren mit dem Isnyer Postkartenmaler und Fotografen Eugen Felle beschäftigt und bei der Vernissage in der Gotischen Halle verkündete: „Ich habe genau 13.350 Motive aus dem Internet gefischt und auf dem PC archiviert – erst gestern eine Darstellung aus Jerusalem“.

Kunstvolle Karten machen Isny in Europa bekannt

Denn Eugen Felle ist – andererseits – der Leitfaden des Projekts „Panorama-Partner“ (wir berichteten). Vor und nach dem Jahr 1900 machten seine Bilder und kunstvollen Illustrationen Isny europaweit bekannt, als Wintersport- und Erholungsort, als liebenswerte Kleinstadt im Allgäu, oft vor dem Panorama der Nagelfluhkette, sozusagen einem attraktiven geologischen Partner, die Stadt und das Land. Eugen Felles Wahrnehmung soll 2019 anlässlich seines 200. Geburtstages in die erste Sonderausstellung des Isnyer Stadtmuseums im neuen Domizil im Schloss münden; samt aller bis dahin gesammelten „Partner“-Beiträge und als Abschluss von „Panorama-Partner“ in Isny.

So waren denn drei Generationen der Familie Felle zu Gast bei der Vernissage: Allen voran Tosca Maria Kühn, die als Urenkelin die Fäden zwischen Winkler, Seibold und Siegloch, also Museum und Stadt, sowie den Felles spinnt. Aber auch Ur-Ur-Enkel Lorenz. Er hat eins der Bilder von Isny gemalt, die von der Kunstgruppe der Grundschule am Rain in „Isny von oben“ zu sehen sind.

Erinnerungscafé und Postkarten-Atelier

Auch außerhalb der Gotischen Halle wirken die „Panorama-Partner“: Am Freitag, 15. Dezember, sind ab 14 Uhr besonders ältere Isnyer eingeladen zum „Erinnerungscafé“ in der Zunftstube beim Museum am Mühlturm, einem Gedankenaustausch zur Frage: „Wer weiß noch was aus der Zeit von Eugen Felle?“ Tosca Maria Kühn wird erzählen und möchte mehr über ihren Urgroßvater erfahren.

Beim „Postkarten-Atelier“ am Samstag, 16. Dezember, können sich dann Kinder und Erwachsene – inspiriert von alten Isnyer Ansichten – in der Zunftstube von 10 bis 15 Uhr künstlerisch betätigen. Stifte, Farben und Papier werden gestellt, die Teilnahme ist kostenlos.

(Artikel: Tobias Schumacher, Schwäbische Zeitung vom 8. Dezember 2017, Lokalausgabe Leutkirch/Isny/Bad Wurzach)